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Podcast Folge 16


Wie versprochen der wöchentliche Podcast!

Dieses Mal Folge 16. Jean E. Sammet ist gestorben, Ada ist nicht gescheitert!, Modern Pascal, Andy Rubin präsentiert sein neues Smartphone: Essential PH-1, Google ersetzt PNaCl mit WebAssembly, Perl 5.26.0 veröffentlicht, Atom 1.18 mit Git und GitHub Integration, Java 9 verzögert sich und Go Alternativen.

Viel Spaß damit!


Atom 1.18 mit Git und GitHub Integration


Atom? Was war das noch mal? Achja, dieser Editor von GitHub, der auf Electron Basis entwickelt wurde. Electron, auch ein Projekt von GitHub, wird mittlerweile von sehr vielen anderen Projekten verwendet, wie zum Beispiel Visual Studio Code.

Atom hat viel an Beliebtheit verloren und die Entwicklung scheint seit Existenz der Konkurrenz auch langsamer geworden zu sein. In Version 1.18 soll nun aber Git als auch GitHub in den Atom Editor integriert werden. Damit verspricht sich GitHub wieder einen Aufschwung bei Atom. Visual Studio Code kam direkt mit Git Integration und die User haben es geliebt, weil die meisten eben Git verwenden. Was mich bei der Ankündigung irritiert ist die Tatsache, dass die GitHub Integration als "preview" betrachtet wird und man offensichtlich nicht viel Vertrauen darin hat.

Wie gesagt, Atom ist ein Projekt von GitHub; da würde man eigentlich erwarten, dass eine GitHub Integration Standard ist. Und da ich GitHub sehr gerne nutze, würde mich das auch dazu veranlassen wieder Atom als Editor zu nutzen, denn grundsätzlich schlecht ist der nicht. Als er veröffentlich wurde, hatte ich ihn lange Zeit als Standard Editor im Einsatz. Ich nutze ihn nur nicht mehr, weil irgendwann Visual Studio Code von Microsoft veröffentlicht wurde und ich den optisch und auch von der Bedienung her etwas besser fand. Ich finde auch die Editor Komponente in Code besser als bei Atom.

Aktuell ist Atom in Version 1.17 verfügbar. Die 1.18 kannst du als Beta ausprobieren. Ich würde aber noch warten.


Perl 5.26.0 veröffentlicht


Die meisten Programmierer denken, dass Perl eh schon tot ist und von niemandem mehr verwendet wird. Die Wahrheit ist aber, dass Perl 5 immer noch stark weiterentwickelt wird. Manche sagen auch schon, dass es das Cobol der 90er Jahre ist, obwohl es zwar sprachlich nichts damit gemein hat, so gibt es doch sehr viele Projekte, die in Perl gestartet wurden und jetzt immer noch gepflegt werden müssen.

Die Änderungen findest du unter perldelta.pod , den Download des Quellcodes unter http://www.cpan.org/src/README.html und wenn du Windows Benutzer bist, dann kannst du dir das aktuellste Perl mit der Strawberry Perl Distribution installieren.


Google ersetzt PNaCl mit WebAssembly


Google hatte 2013 in seinem Webbrowser eine Schnittstelle eingebaut, welche es ermöglichte nativen Code im Webbrowser auszuführen. Sie nannten es "Portable Native Client". Das aber gab es nur für den Webbrowser Chrome und war deswegen gar nicht so portabel, wie das "P" in "PNaCl" vermuten lässt.

Mit dem Fortschreiten von WebAssembly hat sich Google nun dazu entschieden PNaCl durch WebAssembly zu ersetzen. WebAssembly wird von allen modernen Webbrowsern unterstützt und ist somit "portabel".

Google hat einen Migration Guide veröffentlicht und hat angekündigt, dass der Support für PNaCl noch bis Anfang 2018 bestehen bleibt. Chrome Apps und Erweiterungen können auch danach noch PNaCl nutzen.


Podcast Folge 15.1 (Sonderfolge)


Und heute präsentiere ich dir die erste Sonderfolge! Sonderfolge nur, weil mir ein Thema sehr wichtig ist und ich das ungerne in den wöchentlichen Podcast integrieren möchte, da es zu viel Zeit in Anspruch nimmt (für dich!). Deswegen diese Sonderfolge. Wenn du magst, kannst du sie einfach überspringen :)!

Worum geht es in dieser Sonderfolge? Es geht darum, dass OpenSource Software nicht immer vertrauenswürdig ist. In diesem Fall berichte ich über CamStudio. Dieses Projekt bietet den Usern einen Adware basierten Installer an, der vielleicht auch Malware "drive-by" installieren kann. Ich stelle die Beweggründe in Frage und zeige Alternative Wege, um auch mit OpenSource Software Geld zu verdienen. User sind gewillt für gute Software Geld zu bezahlen; OpenSource oder nicht.

IMHO ist dieses Thema sehr interessant und nicht ganz unwichtig. Projekte wie CamStudio oder FileZilla schaden der Community der freien Software. Es handelt sich bei beiden Projekten um Software, dessen Quellcode unter einer freien Lizenz gestellt wurde. Die Projekte bieten aber in beiden Fällen adware basierte Installationsprogramme an. Das ist IMHO sehr asozial und der falsche Weg Geld zu verdienen.

Hör dir den Podcast an und urteile selbst. Viel Spaß!


Andy Rubin präsentiert sein neues Smartphone: Essential PH-1


Andy Rubin ist der Begründer des Android Smartphone Betriebssystems. Bis einschließlich 2013 war er für die Weiterentwicklung von Android verantwortlich. Im Jahre 2014 hat Rubin Google verlassen und hat sein eigenes Unternehmen mit dem Namen Essential gegründet.

Essential präsentiert nun ein neues Smartphone. Es handelt sich dabei um ein Highend Android Smartphone mit guter Ausstattung und 128GB Speicherplatz. Mit einer magnetischen Schnittstelle auf der Rückseite des Smartphones sollen Daten kabellos ausgetauscht werden können. Dieser magnetische Anschluss dient der Erweiterung des Smartphones mit Modulen. Gezeigt wird auf der Seite eine 360°-Kamera. Durch diese Schnittstelle soll das Smartphone auch in der Zukunft mit neuen Funktionalitäten erweitert werden können. Über diesen Anschluss kann das Smartphone auch geladen werden.

Für das Gehäuse wird Titan verwendet und soll so besonders geschützt gegen Beschägigungen sein. Für die Rückseite des Essential PH-1 wird Keramik verwendet. Dieser Werkstoff wird bei Smartphones immer beliebtet und ist sehr angenehm anzufassen. Optisch wirkt das Essential PH-1 sehr edel und sehr gut verarbeitet. Man legt viel Wert darauf, dass das Essential PH-1 sehr robust und trotzdem hübsch ist.

Letztendlich handelt es sich aber doch nur im ein gewöhnliches High-End Android Smartphone. Man geht nicht darauf ein welche Android Version für das Essential PH-1 verwendet wird. Die Tatsache, dass der Gründer von Android aber der Gründer dieser neuen Firma ist, macht es dann doch irgendwie interessant.

Man kann das Essential PH-1 vorbestellen. Es ist ab 699 USD verfügbar. Mit der 360°-Kamera kostet es 898 USD, aber aktuell gibt es die Variante preisreduziert für 749 USD.


CamStudio Malware?


Ich kenne CamStudio noch von "damals". Damals war es ein brauchbares Programm, um die Inhalte eines Bildschirms in einem Video aufzunehmen. Heute war es dann nach vielen Jahren mal wieder so weit, dass ich den Bildschirminhalt aufnehmen wollte und erinnerte mich noch an CamStudio. Also navigierte ich zu der Website und habe mir das Installationsprogramm heruntergeladen. Die Seite sah schon verdächtig schlecht aus; diese typischen großen "Download" Buttons kennt man eigentlich nur von so Werbeverpesteten Seiten wie "chip.de" und nein, auf diese Buttons klickt man nicht. Daran hat man sich im Laufe der Jahre gewöhnt.

Ich habe dann doch auf den grünen "Download" Button geklickt und was mir aufgefallen ist, war der eigenwillige Domainname des Downloads: "hostpresentguard.com"; angehängt war ein base64 "string". Sehr eigenwillig. Als ich das Installationsprogramm startete, war mir auch direkt klar, was hier passiert ist. Das Installationsprogramm bot mir an "Decline" oder "Accept". Hätte ich "Accept" geklickt, hätte es eine "OffersOlymp" Browsererweiterung installiert. Ich habe also auf "Decline" geklickt. Danach wollte es weitere Malware installieren. Letztendlich konnte ich nur das Programm CamStudio installieren. Leider funktioniert es heute nur noch schlecht bzw. gar nicht. Es hat so stark geruckelt, dass eine Aufnahme des Bildschirms gar nicht möglich war.

Bei dem Installationsprogramm handelt es sich um einen "advert-based installer". Es wird also versucht Müll zu installieren. Wieso manche Programmierer immer noch solche Entscheidungen treffen und sich auf so einen Dreck einlassen, kann ich mit freundlichen Worten nicht erklären. Die Ursache wird sein, dass der Programmierer Nick Smith von CamStudio mit dem alten Programm etwas Geld verdienen möchte. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, aber wieso muss man seine Kunden mit einem Installationsprogramm verarschen, welches im schlimmsten Fall Malware auf dem PC installiert? Wieso bietet CamStudio keine "free" Version an, die auf 10 Minuten Aufnahmezeit limitiert ist? Wer möchte, kann sich ja dann die Pro Version für wenige EUR kaufen, wo diese Limitierung nicht besteht. Das gibt es bei CamStudio nicht. Wieso? Vermutlich, weil der Autor denkt, dass der User sich den Kram ja auch dem Source Repository von sf.net runterladen kann, um aus den Quellen das Programm zu bauen. Wenn das der Grund ist, dann ist das sehr kurzsichtig, da der typische Anwender wenig Lust hat C++ Programme zu kompilieren.

Der wahre Grund aber wird sein, dass CamStudio einfach nicht mehr gut genug ist, dass jemand dafür Geld bezahlen würde. Meine Erfahrung war extrem schlecht. Es ruckelte und brachte meinen PC fast zum Stillstand. Man kann unter Windows 10 Creators Update in der Xbox App win+g drücken und es öffnet sich die Gaming Toolbar; dort kann man auch Bildschirmaufnahmen tätigen; leider benötigt das eine relativ gute Grafikkarte, die ich im Büro aber nicht habe. Nur deswegen installierte ich CamStudio. Als Alternative bot sich der Icecream Screen Recorder an; die Installation ist ohne Werbedreck, es installiert eine "Freemium" Version des Programms und man kann 5 Minuten seinen Bildschirm aufnehmen. Die Bedienung ist extrem einfach, es zwingt meinen PC nicht in die Knie und es speichert in einem modernen *.webm Format, was ich auch direkt im Webbrowser embedden könnte. CamStudio dagegen kann nur *.avi und *.swf (ja, Flash!). Wer mit Icecream Screen Recorder länger als 5 Minuten aufnehmen möchte, muss die Pro Version erwerben. Und genau so muss das auch gemacht werden. Sie geben dem Kunden eine kostenlose Version an die Hand, mit der sie die Software vollständig ausprobieren können. Wenn der Kunde mehr braucht, kann er bezahlen. Das ist zwar auch optimiert darauf, dass man es kauft, aber immerhin ist es ehrlich. Das, was Nick Smith da fabriziert, ist einfach nur unehrlich und ein Schlag in das Gesicht des Kunden.

Auf der Projektseite von CamStudio auf sf.net wird auch klar, wie gut das bei den Usern ankommt. Es wird quasi über nichts anderes diskutiert. Nick Smith hatte selbst die Entscheidung getroffen auf "camstudio.org" einen Adware basierten Installer anzubieten, um die Kosten zu decken. Das mag für manche ein guter Grund sein, aber die Argumentation ist nicht plausibel. SourceForge selbst bietet kostenloses Hosting an; es ist also nicht notwendig eine extra Seite einzurichten, um sich dann über teure Trafficgebühren zu beschweren. Scheinheilich hoch 10.

Ich empfehle also CamStudio nicht zu installieren, da es einen Adware-Basierten Installer anbietet, bei dem nicht auszuschließen ist, dass auch Malware installiert wird. Das ist in der Vergangenheit bereits passiert und mein Vertrauen ist geschädigt.

Ich habe das Projekt bei sourceforge.net gemeldet, weil es auf eine Seite verlinkt (camstudio.org), die Adware basierte Installer anbietet. Ich hoffe, dass SourceForge reagieren wird. Solche Projekte gehören gesperrt. Wer so sein Geld verdienen muss, hat falsche Entscheidungen getroffen. Nick Smith beschwert sich, dass er zu viel Zeit für das Projekt opfert. Das alleine rechtfertigt aber nicht, dass man seinen Kunden Adware anbietet.

Sehr traurig! Ich habe soetwas Ähnliches bei dem Projekt "FileZilla" erlebt und war ähnlich enttäuscht. Vielleicht sollte man sich mal Gedanken machen, wie und ob man mit einem OpenSource Projekt Geld verdienen kann. Und ob man das überhaupt will. Die Benutzer von "camstudio" danken es Nick Smith mit 1-Stern Bewertungen bei SourceForge. Was mich erschütterte war die Tatsache, dass SourceForge bewusst ist, dass die Website vom "CamStudio" Malware enthält. Wenn man die Projektseite von "CamStudio" besucht, steht ganz weit oben direktr "Notice Regarding Malware". Wieso SourceForge trotzdem den Link zu "camstudio.org" beibehält ist natürlich fraglich.


Modern Pascal


Ich bin ja auch irgendwie ein Pascal Fanboy. Ich hatte meine ersten Schritte in der Programmierung mit Turbo Pascal gemacht. Ok, eigentlich war es Assembler, aber so richtig programmiert hatte ich erst mit Turbo Pascal und später Delphi. Ich hatte zwar auch richtige Programme mit Assembler entwickelt, aber das waren eher Demos, wie man bestimmte Schnittstellen unter Windows anspricht und nutzt.

Pascal hatte schon damals den Ruf keine richtige Programmiersprache zu sein. Schon damals erzählte man mir, dass man Pascal nur nutzt, um Programmieren zu lernen. Aber ich hatte das nie verstanden, denn man konnte so gut wie alles damit programmieren und entwickeln. Und es gab auch schon verdammt viel, was man nutzen konnte, ohne es neu zu implementieren.

Nach vielen Jahren hat Pascal den Ruf beibehalten und die meisten Programmierer denken immer noch, dass Pascal veraltet ist. Dieses Gerücht gab es schon immer, aber nur, weil sich die meisten nicht weitergebildet hatten und den Wissensstand von 199x abgerufen haben. Die Realität ist aber, dass Delphi mittlerweile einen extrem modernen Pascal Dialekt beherrscht, der alles beinhaltet, was man aus C# und Java kennt. Auch viele Features aus funktionalen Programmiersprachen findet man bei Delphi wieder. Das will aber niemand hören und es interessiert auch niemanden, da Embarcadero sehr unbeliebt ist. Zwar bietet Embarcadero Delphi Starter mittlerweile kostenlos an, aber schon die nächst bessere Variante kostet über 1000 EUR. Und selbst bei der teuren Version muss man jedes Extra teuer bezahlen. Die Firma will ihre Kunden nur noch melken. So zumindest scheint es. Man hat absolut kein Interesse daran Indie Developer anzuziehen. Das ist schade, denn das hat früher sehr gut funktioniert.

Es gibt aber zum Glück eine OpenSource und GPL lizenzierte Variante von Pascal. Sie nennt sich Freepascal und auch, wenn Freepascal nicht alle neuen Features von Delphi unterstützt, so ist es immerhin um einiges moderner als das alte Pascal von "damals". Es wird gepflegt und ständig erweitert. Und weil die Menschen Delphi so geil finden, haben sie auch einen Delphiclone gebaut und der nennt sich Lazarus. Wenn du Delphi von früher kennst, probier das mal aus; das Projekt ist enorm.

Und weil es immer noch Menschen gibt, die sich mit Pascal beschäftigen, gibt es auch aktuelle Bücher, welche sich mit den neuen Features des Pascal Dialekts in Delphi beschäftigen. Ich selbst besitze solch ein Buch und war erstaunt, wie modern Delphi mittlerweile ist.

Für Freepascal gibt es so ein Buch noch nicht, und das macht es für mich auch immer schwierig Freepascal zu nutzen, weil ich nicht genau weiß, wie kompatibel es zu Delphi ist. Diese Lücke füllt nun aber Michalis Kamburelis. Er hat auf GitHub ein Dokument veröffentlicht, wo er die Features eines modernen Pascal Dialekts beschreibt, der kompatibel mit Freepascal ist. Dieses Dokument eignet sich perfekt für Programmierer, die schon viel Erfahrung haben. Das Dokument ist ein "no bullshit" Dokument. Es geht konkret auf die Themen ein; ohne viel Blabla.

Hier findest du das Dokument. Michalis Kamburelis ist ein polnischer Spieleprogrammierer. Er ist auch Entwickler der Castle Game Engine. Natürlich auch in modernem Pascal geschrieben. Das war doch eine Erwähnung wert oder? Ich finde schon.


Ada ist nicht gescheitert!


Tomek Wałkuski hat die Clickbait-verdächtige Frage gestellt, ob die Programmiersprache Ada gescheitert sei. Natürlich hat er sich für den perfekten Clickbait die falsche Programmiersprache ausgesucht, was auch der Grund ist, wieso ich überhaupt darüber schreibe. Er hätte einfach schreiben können, dass JavaScript gescheitert sei und ihm wären alle Klicks der Mittagsbürosurfer sicher, aber nun ja, sein Glück, dass es nicht so war.

Ich kenne Ada schon seit dem Jahr 2000 und das auch nur, weil ich zu der Zeit viel Turbo Pascal und Delphi gemacht habe. Ada war für mich immer eine Sprache, zu der ich heraufgeschaut habe. Es hatte einen sehr strengen Compiler und viele Fehler wurden schon vor dem Erstellen des Kompilat gefunden. Das war selbst für mich als Pascal Programmierer unüblich. Zwar kannte man das als Pascal Programmierer, aber nicht in dieser Strenge.

Dennoch war Ada schon damals eine Nischenprogrammiersprache. Verrückt, wenn das ein Pascal Programmierer schreibt, aber so war es tatsächlich. Das Ökosystem für Ada war gruselig schlecht und quasi nicht vorhanden. Wenn man dazu die Delphi Community als Vergleich heranzieht, dann verlor Ada in jeder Hinsicht. Es gab einfach alles bei Delphi. Das mag aus heutiger Sicht komisch klingen, aber die Delphicommunity war enorm und es gab nichts, was nicht schon jemand in irgendeiner Bibliothek/Komponente implementiert hatte. Mit Delphi musste man wirklich nur wenig neu implementieren. Aus heutiger Sicht war das Ökosystem für Delphi früher so stark wie heute das Java Ökosystem ist. Vergleichbar sind nur noch Perl und Python (und sicher noch andere :P).

Nun hat Tomek Wałkuski behauptet, dass Ada gescheitert sei. Ich habe die Gegenfrage gestellt, was eine Sprache als gescheitert gelten lässt. Die Beantwortung dieser Frage ist nicht ganz einfach. Immerhin ist Ada immer noch an Platz 29 des Tiobe Index. Scala belegt Platz 31, Haskell Platz 38, Rust Platz 40, Erlang Platz 41 und Clojure gerade noch Platz 50. Würde man diese Sprachen als gescheitert betrachten? Wohl kaum. Als Gegenargument könnte man Sprachen nennen, die innerhalb der letzten 14 Jahren enorm an Popularität verloren haben. Dazu zählt zum Beispiel PHP. Zwar ist PHP mit den Jahren immer besser geworden, aber je besser PHP geworden ist, desto geringer wurde die Popularität der Sprache. Verrückt oder? Was sagt das aber aus? Im Grunde nichts. Noch heute gibt es Cobol Systeme, die betreut werden wollen. Und schlimmer noch: Cobol wird noch weiterentwickelt, damit man sich mit modernen Systemen "verbinden" kann. So gibt es Schnittstellen zu Java und anderen Programmiersprachen. Im Falle von PHP ist das so, dass es eine Spitze der Popularität gab und die Sprache lange Zeit relativ beliebt war. Das führt dazu, dass viele Firmen ihre Projekte damit umgesetzt haben. Das wiederum führte dazu, dass es in diversen Regionen extrem viele Jobs und Bedarf für PHP- Programmierer gibt. Zwar ist PHP mittlerweile auf dem absoluten Tief, wenn es darum gibt, wie beliebt die Sprache ist, aber wenn man im Ruhrgebiet einen Job haben will und sagt, dass man PHP beherrscht, hat man irgendeinen Job ganz sicher :). Insofern ist es schwierig zu sagen, wann eine Programmier- oder Skriptsprache als gescheitert gilt.

Tomek Wałkuski behauptet, dass die Hauptprobleme von Ada die Lizenz, der fehlende Package Manager und die nicht vorhandene Community das Scheitern von Ada sind. Der Ada Compiler steht unter der GPL, so auch die Entwicklungsumgebung. Tomek ist der Meinung, dass die Lizenz Firmen abschreckt, aber das ist im Grunde totaler Unsinn. Ada rückt aktuell in den Embedded und IoT Bereich vor und ich kann mir vorstellen, dass da Bedarf an Software besteht, die zuverlässig funktioniert. Und wer Probleme mit der GPL hat, kann bei AdaCore eine Lizenz erwerben, so dass man den Compiler als auch die IDE unabhängig der GPL verwenden kann. Es ist also durchaus möglich kommerzielle Programme mit Ada zu erstellen, ohne direkt den Quellcode zu veröffentlichen. AdaCore packt auch immer mehr ihrer Quellcodes nach GitHub, um eben "sozialer" zu werden. Sie wollen näher zu den Programmierern rücken. Man merkt auch, wie sie junge Programmierer dazu motivieren über ihre Embedded Ada Projekte zu bloggen. Diese Blogs tauchen immer mal wieder auf und man sieht sofort, dass das eine Werbeveranstaltung ist, aber nicht im negativen Sinne. Man lernt immer etwas dabei und es ist immer motivierend. Die machen das schon ganz gut.

Die IDE von AdaCore mit dem Namen GPS wird auch immer besser. Ich kenne die IDE noch aus den frühen 2000er Jahre und die war immer gruselig. So gruselig, dass man lieber irgendeinen Texteditor verwendet hatte. Mittlerweile aber ist GPS richtig gut geworden. Ich hatte es vor kurzem ausprobiert und es funktioniert alles out of the box. Das ist fast erschreckend. Auch ist die Optik sehr modern. Die Optik ist ein wenig an Visual Studio angelehnt, was verwundert, da man für die Darstellung des UI Gtk verwendet. Das sieht unter Windows eigentlich immer kacke aus.

Wie auch immer: Ada ist eine moderne Programmiersprache, für die es sich lohnt etwas mehr Zeit zu investieren. Die IDE ist gut und die Sprache auch. Dass eine Firma damit Geld verdienen will, ist nicht unerwartet. Dass diese Firma den Quellcode ihrer Produkte unter der GPL veröffentlicht ist lobenswert. Im Internet wird diese Tatsache tatsächlich negativ dargestellt.

AdaCore! Macht weiter so!


Jean E. Sammet ist gestorben


Am 20.05.2017 ist Jean E. Sammet gestorben. Sie war eine Informatikerin und hat die FORMAC Programmiersprache entwickelt. Sie wurde am 23. März 1928 geboren und ist am 20. Mai 2017 gestorben. Jean E. Sammet war an der Entwicklung von Cobol beteiligt und hat später FORMAC entwickelt. FORMAC war eine Erweiterung zu Fortran.


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